Narbolia – Stadt der Nuraghen

Während Sardinien als Land der Nuraghen bezeichnet wird (über 7000 Nuraghen), ist Narbolia das Dorf der Nuraghen. Nurapolia, was Stadt der Nuraghen bedeutet, ist der antike Ortsname des Dorfes Narbolia. Erwähnt wird er das erste Mal im Friedensvertrag vom 24. Januar 1388 zwischen dem König von Aragonien und Eleonora von Arborea, Giudicessa del Regno di Arborea (Richterin des Reiches von Arborea). Letztere hat das berühmte Zivil- und Strafgesetzbuch Carta de Logu erlassen, dessen Gültigkeit bis 1800 bestehen blieb. Narbolia, ein kleines Bauerndorf mit circa 1800 Einwohnern, liegt auf der Südseite des Berges Montiferru, Richtung Meer, an dem sich der Strand Is Arenas befindet, der wegen seiner Länge von circa 7 Kilometern von den Einwohnern Narbolias Sa Praia Manna genannt wird. Das Gebiet der Gemeinde Narbolia, circa 40 km², liegt teils in der am Campidano grenzenden Ebene, im Tirso-Tal, und teils an einem Hügel. Das Land ist fruchtbar, da es vom kalten Wind geschützt liegt und genügend bewässert wird. Dieses führt zu einer guten Produktion von Getreide, Gemüse, Orangen und Zitronen. Das Klima ist optimal für Oliven- und Mandelbäume, es gibt allerdings nur wenige Weinberge. Der Wein, Vernaccia und Canaiuola, ist allerdings sehr gut. Die üppigen Weiden erlauben eine gute Viehzucht, vorwiegend von Schafen, Rindern und Pferden, während das unbestellte Land von Myrten- und Mastixsträuchern bedeckt ist. Von letzterem sammelten damals die Frauen die Beeren und machten daraus Öl. Die wichtigsten Berufe, außer der, die mit der Landwirtschaft und mit dem Viehzucht zu tun haben, sind die, die mit der Steinbearbeitung verbunden sind, sei es zum Hausbau (fast alle Häuser von Narbolia sind aus schwarzem Basaltstein) oder für die Architraven und Pfosten der Türen und Fenster, in denen Muster eingraviert werden. Bekannt sind die Picaperdas, die diese jahrhunderte alte gotisch-katalanische Tradition aufrecht erhalten. Im alten Zentrum Narbolias gibt es viele Zeugnisse dieser Arbeiten, außerdem kann man überall die typischen Trockensteinmauern bewundern, die die verschiedenen Felder begrenzen. Früher gab es in jeder Familie ein Webstuhl, mit dem man Leinen für Gardinen, Tischdecken, Teppiche und Decken mit Reliefmustern, Fanugas genannt, webte. Eine andere antike Arbeit war das Schneiden und Brennen von Kalkgestein. Von den Hügeln Narbolias aus, die Is roccas de s’accorru, Su Cucuru de Coronas, Su Cucuru de Zepara und Su Cucuru de s’Eremita genannt werden, hat mein eine wunderschöne Aussicht auf die gesamte Ebene des Campidano, auf die Sinis-Halbinsel mit ihren wunderschönen Stränden und auf die Insel Maldiventre (Bauchschmerzen), eine schlechte italienische Übersetzung ihres sardischen Namens Maluentu (schlechter Wind). An den Hängen des Su Cucuru de s’Eremita, auch Rocca di Frau Matteo (Felsen des Bruder Matteo) genannt, befindet sich eine kleine Kirche, die dem Einsiedler Hermanu Matteo gewidmet ist, an den man sich auch erinnert, weil er 1794 im Inneren der Nuraghe Tunis einen Brunnen entdeckte, dessen Wasser von der naheliegenden Quelle Neddio stammt und in dem er romanische Münzen und Statuen aus Ton fand. Narbolia wurde seit der prehistorischen Zeit bewohnt, was die über 30 Nuraghen bezeugen, sowie die zahlreichen Gigantengräber, deren berühmtestes das der Tradori ist (komplett aus schwarzem Basaltstein gebaut). Es ist eines der best erhaltenen Gräber und man man kann es von der Panoramastraße SS 292 aus, die Oristano mit Alghero verbindet, sehr gut sehen. Die anderen Nuraghen, abgesehen von den bereits genannten Tunis und Tradori , sind Crabia, Niu de Crobu, Coronas, Littu, Aranzolas o Arangiola, Accas, Straderi, Vervecargius, Scala de Cuaddu, Foddeus, Porcus, Cracherosu, Mura, Baccas, Magarzosa, Ligius, Madavò, Serra Cacus, Zoddias, Laudi. Ein anderer bemerkenswerter Ort ist Sa Muralla, eine hohe Mauer über dem Fluss Rio Cunzau, von der man glaubte, sie sei ein Rest der Burg, die Eleonora d’Arborea wegen der strategisch guten Lage erichtet lassen habe, um die Straßen zwischen Montiferru und dem Campidano überwachen zu können. Neuere Studien nehmen an, sie sei punisch-phönizischer Herkunft. Im Hinblick auf die Natur, ist der Pinienwald von Is Arenas von besonderem Wert. Er wurde in den 50er Jahren gepflanzt, um den starken Mistral daran zu hindern, den Sand wegzutragen. Heute ist er ein ideales Habitat für Eichelhäre, Mittelspechte, Schildkröten, Füchse, Marder und in den Wintermonaten auch für Wildschweine. Im Unterholz gibt es Wacholder, Zwergpalmen, Akazien, Mastixsträucher und wunderschöne Exemplare von wildwachsenden Orchideen.

Narbolia ist leicht von der SS 131 Carlo Felice aus zu erreichen, indem man die Ausfahrt Milis/Tramatza nimmt, oder von der SS 292 aus.